Der schulischen Inklusion hoffentlich einen Schritt näher

Obwohl der Landkreis wenig Handhabe hat, Schulen mit Inklusionsprofil einzurichten, kann er dennoch mit Nachdruck auf die Staatsregierung hinwirken, in dieser Richtung tätig zu werden. Im Kreistag (Sozialausschuss) wurde gestern mein Antrag für mehr Inklusionsschulen im Landkreis einstimmig angenommen:

  1. Der Landkreis Starnberg setzt sich mit Nachdruck im Rahmen seiner Möglichkeiten dafür ein, dass zusätzlich zur Grundschule Tutzing und zur Mittelschule Tutzing in anderen Kommunen des Landkreises eine Grundschule und Mittelschule sowie Schulen anderer Schularten mit dem Schulprofil „Inklusion“ eingerichtet werden.
    2. Die Verwaltung wird beauftragt, zeitnah 2018 einen Fachtag „Inklusion in den Schulen des Landkreises“ mit sämtlichen Akteuren zu veranstalten (vgl. Maßnahme S 11ff des Aktionsplans für Menschen mit Behinderungen) und insbesondere auf Überprüfung sowie Anpassung der schulischen Konzepte der Inklusion im Sinne der Transparenz für Betroffene hinzuwirken, damit das Bewusstsein für die Inklusion an allen Schulen im Landkreis Starnberg geschärft wird. Hierzu
    soll sich die Verwaltung um die Unterstützung des Staatlichen Schulamtes bemühen.
    Das für eine gelingende schulische Inklusion unabdingbare Helfersystem der Schulbegleitung wird in diesem Zusammenhang miteinbezogen.

Begründung:
In Deutschland ist die UN-Behindertenrechtskonvention im März 2009 in Kraft getreten. Auch die Bayerische Staatsregierung hat es sich zum Ziel gesetzt, Barrieren abzubauen und Menschen mit Behinderungen die Teilhabe in allen gesellschaftlichen Bereichen, auch in den Schulen, zu ermöglichen. Mit dem Aktionsplan „Gemeinsam stärker“ hat sich der Landkreis einen Leitfaden an die Hand gegeben, um Inklusion im Landkreis voranzubringen.
Derzeit gibt es im Landkreis mit seinen 14 Gemeinden und rund 134.000 Einwohnern nur die Grund- und Mittelschule Tutzing, die ein Inklusionsprofil aufweist und daher durch höhere Stundenzuweisung mit Fachpersonal und durch bauliche Voraussetzungen Kinder inklusiv beschulen kann. Nur so kann schulische Inklusion im Ansatz gelingen, wie sie von der Behindertenrechtskonvention vorgegeben ist. Allerdings nimmt die Tutzinger Grund- und Mittelschule nur Kinder aus ihrem Sprengel auf.
Die sog. Kooperationsklassen an Schulen im Landkreis Starnberg, (eine Klasse an der Arnoldus-Grundschule in Gilching, eine Klasse an der Grundschule an der Würm in Stockdorf und zwei Klassen an der Mittelschule Starnberg) nehmen nur Kinder mit dem Förderschwerpunkt Lernen/Sprache und dem Förderschwerpunkt soziales/emotionales Verhalten auf.
Auch bei den sog. Partnerklassen, die eine Form des kooperativen Lernens darstellen (Partnerklassen der Förderschule oder der allgemeinen Schule kooperieren mit einer Partnerklasse der jeweils anderen Schulart) kann man vielleicht von Annäherung, aber nicht von Inklusion sprechen.
Laut BayEUG ist Inklusion Aufgabe aller Schulen. In Bayern bleibt es bis heute den Schulen überlassen, ob sie das Profil Inklusion beantragen und damit eine höhere Stundenzuweisung bekommen, die im Übrigen natürlich auch allen anderen Kindern zu Gute kommt.
Behinderte Kinder unseres Landkreises müssen daher, oft auf Kosten der Eltern, weite Wege nach München oder in andere Landkreise in Kauf nehmen. Die Benachteiligung durch die Behinderung wird durch die mangelhafte schulische Versorgung im Landkreis Starnberg noch verschärft. Durch eine wohnortnahe, inklusive Beschulung kann im Sinne der UNBehindertenrechtskonvention ein Nachteilsausgleich erfolgen.
Eine weitere Schule mit dem Profil Inklusion wäre v.a. in den bevölkerungsstarken Gemeinden Starnberg, Gauting oder Gilching sinnvoll.
Wir betonen ausdrücklich, dass die schulische Inklusion im Landkreis nicht am mangelnden Engagement der Lehrerschaft, sondern an der völlig unzureichenden personellen und räumlichen Ausstattung der Schulen von Seiten der Staatsregierung zu scheitern droht!
Daher ist es uns sehr wichtig, von Seiten des Landkreises alles zu tun, um den betroffenen Kindern und Jugendlichen und den Familien unbürokratisch zu ihrem Recht zu verhelfen.

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